Produktfotografie für den Onlineshop: praktischer Leitfaden
Für gute Produktfotos brauchen Sie kein teures Studio. Entscheidend ist ein wiederholbarer Aufnahmeprozess: eine stabile Kamera, weiches Licht, ein einheitlicher Hintergrund und eine Bearbeitung, die das Produkt nicht verändert. Dieser Ansatz ist wichtiger als das Modell Ihres Smartphones oder Ihrer Kamera.

Was müssen die Bilder im Onlineshop leisten?
Das Foto sollte das Produkt so zeigen, wie der Kunde es erhalten wird. Farbe, Größe, Material und wichtige Details müssen ohne Rätselraten erkennbar sein. Ist das Bild dunkel, unscharf oder übermäßig bearbeitet, verschiebt der Kunde den Kauf oder bestellt mit falschen Erwartungen.
In einem Onlineshop erfüllt ein Bild mehrere Aufgaben. Es zieht im Katalog Aufmerksamkeit auf sich, erklärt das Produkt auf der Produktseite und hilft dem Kunden, Varianten zu vergleichen. Bei Kleidung, Schuhen, Möbeln, Kosmetik und Technik müssen die Fotos oft auch den Maßstab, die Verwendung oder ein bestimmtes Detail zeigen.
Beginnen Sie deshalb nicht mit der Frage „Welche Kamera soll ich kaufen?“. Beginnen Sie mit der Frage „Was soll der Kunde anhand der Bilder verstehen?“. Die Antwort bestimmt die Anzahl der Aufnahmen, den Hintergrund und die Frage, ob Fotos in einer realen Umgebung nötig sind.
Welche Ausrüstung brauchen Sie?
Für die meisten kleinen und mittleren Kataloge reicht ein modernes Smartphone aus. Eine Kamera mit Wechselobjektiv lohnt sich bei großen Mengen, geringer Schärfentiefe oder Produkten, bei denen die Farbkontrolle entscheidend ist. Teurere Ausrüstung kann falsche Beleuchtung und eine uneinheitliche Anordnung nicht ausgleichen.
| Ausrüstung | Praktische Wahl | Richtbudget |
|---|---|---|
| Kamera | Smartphone mit guter Hauptkamera oder spiegellose Kamera | 0–1 000+ EUR – je nachdem, was Sie bereits besitzen |
| Stativ | Stabiles Stativ für Smartphone oder Kamera | 20–100 EUR |
| Licht | Zwei LED-Panels oder Dauerleuchten mit Diffusor | 100–300 EUR |
| Hintergrund | Weißes Vinyl, Papier oder Fotostoff; bei Bedarf zusätzliche Hintergründe | 20–100 EUR |
| Reflektor | Weiße Hartschaumplatte oder fertiger Reflektor | 5–40 EUR |
| Kleine Hilfsmittel | Klammern, Klebeband, Halterungen und Reinigungsmaterial | 10–50 EUR |
Für ein Basisset reichen in der Regel etwa 150–500 EUR, wenn Sie bereits ein Smartphone besitzen. Der Preis hängt von der Größe der Produkte, der Art der Beleuchtung und davon ab, ob Sie fertige Fotoausrüstung kaufen oder selbst einen Arbeitstisch zusammenstellen. Bei großen Möbeln, glänzenden Oberflächen und mehrfarbigen Materialien steigen Budget und Vorbereitungszeit.
Ein Fenster kann für Testaufnahmen die Lampen ersetzen. Das Licht verändert sich jedoch im Tagesverlauf und lässt sich bei 50 oder 500 Produkten nur schwer wiederholen. Wenn Ihr Katalog dauerhaft bestehen bleibt, spart kontrollierbare Beleuchtung mehr Zeit, als sie kostet.
Wie richten Sie Szene und Licht ein?
Stellen Sie das Produkt auf eine stabile Oberfläche und fotografieren Sie immer am selben Ort. Verwenden Sie einen Hintergrund, der vom Boden bis zur Wand ohne sichtbare horizontale Kante durchläuft. Ein weißer Hintergrund ist für einen Katalog praktisch, aber nicht für jede Marke zwingend erforderlich. Bei Premiumprodukten können Sie einen farbigen oder strukturierten Hintergrund verwenden, sofern er nicht vom Produkt ablenkt.
Platzieren Sie das Hauptlicht seitlich und leicht von vorn, ungefähr in einem Winkel von 45 Grad. Ein Diffusor mildert Schatten und Reflexionen. Stellen Sie auf der gegenüberliegenden Seite eine weiße Fläche auf, die einen Teil des Lichts zurück auf das Produkt wirft. Mischen Sie kein kaltes und warmes Licht. Dadurch entstehen innerhalb derselben Produktserie unterschiedliche Farben.
Glänzende Verpackungen, Glas und Metall erfordern mehr Kontrolle. Dabei fotografieren Sie nicht nur das Produkt, sondern auch die darin sichtbaren Reflexionen. Eine größere diffuse Fläche funktioniert oft besser als eine kleine, helle Lampe. Drehen Sie Produkt und Licht, bis unerwünschte Flecken verschwunden sind, Form und Material aber weiterhin deutlich erkennbar bleiben.
Wie viele Fotos sollten Sie von einem Produkt machen?
Eine allgemeingültige Anzahl gibt es nicht. Für ein gewöhnliches Katalogprodukt reichen oft ein Hauptbild, eine Rück- oder Seitenansicht und eine Nahaufnahme eines Details. Bei einem komplexen Produkt können Aufnahmen der Benutzeroberfläche, der Maße, des Zubehörs, der Verpackung und der Anwendung erforderlich sein.
- Hauptbild für den Katalog und den ersten sichtbaren Bereich der Produktseite.
- Eine zusätzliche Perspektive, die Form, Rückseite oder Seitenprofil zeigt.
- Nahaufnahme von Material, Naht, Mechanismus, Textur oder einem wichtigen Detail.
- Eine Aufnahme mit Größenvergleich, wenn die Abmessungen nicht offensichtlich sind.
- Eine Aufnahme im Gebrauch, wenn das Produkt in einer realen Umgebung besser verständlich ist.
Die Aufnahme im Gebrauch sollte das eigentliche Produktfoto nicht ersetzen. Sie ergänzt die Informationen. Eine Tasche an einer Person zeigt beispielsweise Größe und Verwendung, doch die separate Aufnahme der Tasche muss Farbe, Form und Verschluss klar zeigen.
Wie fotografieren Sie alle Produkte einheitlich?
- 01Produkt vorbereiten
Entfernen Sie Staub, Fingerabdrücke und Fäden. Prüfen Sie, ob Farbe und Variante stimmen. Bei einer Produktserie sollten Sie die Reihenfolge der Aufnahmen und die Dateinamen festhalten.
- 02Kamera fixieren
Stellen Sie das Smartphone oder die Kamera auf ein Stativ. Sperren Sie Fokus und Belichtung, sofern das Gerät dies ermöglicht. Verwenden Sie keinen Digitalzoom und verändern Sie den Abstand zum Produkt nicht willkürlich.
- 03Licht einstellen
Wählen Sie ein Setup und behalten Sie es für die gesamte Serie bei. Machen Sie eine Testaufnahme mit einem weißen oder grauen Gegenstand, um Farbe und Schatten zu überprüfen.
- 04Die wichtigsten Ansichten fotografieren
Machen Sie zuerst die Hauptaufnahme, danach die zusätzlichen Perspektiven und Detailaufnahmen. Lassen Sie das Produkt am selben Ort und verändern Sie den Hintergrund zwischen den Varianten nicht.
- 05Sofort überprüfen
Vergrößern Sie die Aufnahme und suchen Sie nach Unschärfe, Staubkörnern, abgeschnittenen Teilen und unerwünschten Reflexionen. Es ist günstiger, das Foto direkt vor Ort zu wiederholen, als ein Produkt wegen einer unklaren Abbildung zurückzuschicken.
Wie bearbeiten Sie Fotos, ohne den Kunden zu täuschen?
Die Bearbeitung sollte technische Probleme beheben, nicht das Produkt verändern. Korrigieren Sie Weißabgleich, Belichtung und den Kontrast leicht. Entfernen Sie Staub und kleine Spuren vom Hintergrund. Verändern Sie nicht die Farbe eines Kleidungsstücks, einer Oberfläche oder eines Materials, nur weil das Foto dadurch spektakulärer wirkt.
Schneiden Sie die Aufnahmen auf dieselbe Weise zu. Das quadratische Format ist für Kataloge praktisch, aber nicht zwingend erforderlich. Wichtig ist, dass alle Bilder eine klare Komposition und genügend Platz für verschiedene Bildschirme haben. Wenn Ihr Shop automatisch zuschneidet, testen Sie, wie die Fotos auf dem Smartphone aussehen.
Exportieren Sie in WebP, wenn die Plattform dieses Format unterstützt, und lassen Sie JPEG als kompatible Variante bestehen. Bewahren Sie die Originaldateien getrennt von den hochgeladenen Versionen auf. Komprimieren Sie dasselbe Foto nicht mehrfach, da die Qualität dadurch schrittweise abnimmt.
Tools wie Squoosh und TinyPNG können die Dateigröße reduzieren. Fixieren Sie sich nicht auf ein einheitliches Limit für alle Fotos. Prüfen Sie die tatsächliche Qualität auf dem Smartphone und die Ladegeschwindigkeit der Produktseite. Ein großes Bild ist für die Vergrößerung nützlich, aber eine unnötig große Datei verlangsamt den Shop.
Wie benennen Sie Dateien und verfassen Alt-Texte?
Der Dateiname sollte Ihrem Team helfen, die Datei zu finden, und nicht die zufällige Nummer des Smartphones enthalten. Verwenden Sie ein klares Schema, zum Beispiel „ranitsa-kozena-chervena-otpred.webp“, und halten Sie dieses Muster für alle Produkte ein.
Der Alt-Text beschreibt das Bild für Menschen, die einen Screenreader verwenden, und liefert Suchmaschinen Kontext. Schreiben Sie „Schwarze Ledertasche mit Metallverschluss, Vorderansicht“ statt „IMG_2345“. Wiederholen Sie keine Keywords und beschreiben Sie keine Details, die nicht sichtbar sind.
Wann sollten Sie selbst fotografieren und wann einen Fotografen beauftragen?
Das Fotografieren in Eigenregie ist sinnvoll, wenn Sie einen kleinen Katalog mit Standardprodukten haben und eine Person den Prozess zuverlässig befolgen kann. Es ist auch praktisch, wenn Sie häufig neue Artikel hinzufügen, da Sie nicht auf ein externes Team warten müssen.
Ein professioneller Fotograf lohnt sich bei großen Serien, komplexen Materialien, Models, Lebensmitteln, Schmuck oder Aufnahmen für Werbekampagnen. Dann bezahlen Sie nicht nur für die Kamera, sondern auch für Vorbereitung, Beleuchtung, Retusche, Farbkontrolle und einheitliche Ergebnisse.
Bevor Sie ein Angebot anfordern, erstellen Sie eine Liste der Produkte, Maße, benötigten Ansichten, des Dateiformats und der geplanten Verwendung. Fotos für die Produktseite, Google-Anzeigen und soziale Netzwerke können unterschiedliche Seitenverhältnisse erfordern. Ein gut vorbereitetes Briefing reduziert zusätzliche Korrekturen.
Wie fügen sich Fotos in den Onlineshop ein?
Gute Bilder machen eine unpraktische Produktseite nicht wett. Der Kunde muss das Bild vergrößern, alle Varianten sehen und Informationen zu Verfügbarkeit, Lieferung, Zahlung und Rückgabe verstehen können. Bei einem großen Katalog ist es wichtig, dass Bilder ohne manuelle Arbeit für jeden einzelnen Artikel hochgeladen und angeordnet werden können.
Das ist besonders wichtig für Shops mit vielen SKU, mehreren Lagern oder häufigen Preisänderungen. Bei der Erstellung eines Onlineshops lassen sich Galerie, Zoom, Filter und die Anbindung an ein Warenwirtschafts- oder ERP-System vorsehen. So bleibt das Bild Teil des Prozesses und wird nicht zu einer separaten Datei, die jemand erst per E-Mail suchen muss.
Bei einem B2B-Katalog mit Tausenden Artikeln muss der Standard noch strenger sein. Im Fallbeispiel zu Labimex sind die Produktstruktur und der umfangreiche Katalog Teil einer ganzheitlichen E-Commerce-Plattform. Bei einem solchen Umfang sind der korrekte Name, die richtige Variante und das passende Bild nicht nur für die Optik wichtig, sondern auch für die Bestellgenauigkeit.
Wie prüfen Sie, ob Ihre Produktbilder funktionieren?
Prüfen Sie die Produktseiten auf dem Smartphone, nicht nur auf dem Bürobildschirm. Achten Sie darauf, ob das Hauptbild schnell lädt, der Zoom funktioniert und die Bilder die richtige Variante zeigen. Beobachten Sie, welche Produkte Aufrufe, Warenkorbaktionen und Bestellungen erhalten, aber führen Sie nicht jede Veränderung ausschließlich auf die Produktfotografie zurück.
Vergleichen Sie ähnliche Produkte unter identischen Bedingungen. Wenn Sie gleichzeitig Bilder, Preis, Beschreibung und Versand ändern, wissen Sie nicht, was den Unterschied bewirkt hat. Manchmal ist die nützlichste Anpassung kein neuer Hintergrund, sondern ein Bild eines wichtigen Details, der Größe oder des Produkts im Einsatz.
Häufig gestellte Fragen
Die häufigsten Probleme bei Produktbildern entstehen durch einen uneinheitlichen Prozess und nicht durch das Fehlen teurer Ausrüstung. Hier finden Sie kurze Antworten auf die Fragen, die bei der Katalogerstellung typischerweise aufkommen.
Häufig gestellte Fragen
- Kann ich Produkte mit dem Smartphone fotografieren?
- Ja, wenn das Smartphone eine gute Hauptkamera hat und Sie es auf einem Stativ verwenden. Licht, Stabilität und ein einheitlicher Aufbau sind wichtiger als das konkrete Modell.
- Welcher Hintergrund eignet sich am besten für Produktbilder in einem Onlineshop?
- Ein weißer Hintergrund ist für Kataloge praktisch und erleichtert eine einheitliche Präsentation der Produkte. Für Bilder im Einsatz können Sie eine Umgebung oder Textur verwenden, solange der Hintergrund nicht vom Produkt ablenkt.
- Welche Größe sollten Produktbilder haben?
- Es gibt nicht die eine richtige Größe für jeden Shop. Wählen Sie eine ausreichende Auflösung für den Zoom, exportieren Sie die Bilder in einem geeigneten Format wie WebP und prüfen Sie die tatsächliche Ladezeit auf dem Smartphone.
- Braucht jedes Bild einen Alt-Text?
- Ja, wenn das Bild Informationen vermittelt. Beschreiben Sie konkret, was zu sehen ist, ohne eine Ansammlung von Keywords und ohne den Dateinamen als Beschreibung zu verwenden.
- Wie viel kostet die Ausrüstung für ein heimisches Produktfotostudio?
- Wenn Sie bereits ein Smartphone besitzen, lassen sich ein einfaches Stativ, zwei Lampen, ein Hintergrund und ein Reflektor in der Regel für etwa 150–500 EUR zusammenstellen. Größere Produkte, spezielle Objektive und professionelle Beleuchtung erhöhen das Budget.



